Kaufmännische Schule Lörrach: Lernende entdecken das Ehrenamt (Ehrenamtstage 2026)

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Kaufmännische Schule Lörrach: Lernende entdecken das Ehrenamt (Ehrenamtstage 2026)

Zum Ende des Schuljahres 2025/2026 verteilen sich Lernende aus den Klassen 1BSAV/1, 1BSAV/3 (Berufsfachschule) und WGE/1 (Wirtschaftsgymnasium) an einem Donnerstagmorgen nicht wie üblich auf ihre Klassenzimmer, sondern sie steigen in Busse, laufen zum Friedhof, betreten Pflegeheime, Kindergärten, soziale Einrichtungen und Naturschutzflächen. Wo sonst Stundenpläne den Tag strukturieren, bestimmen nun Gartengeräte, Schleifpapier, Gespräche mit lebensälteren Mitmenschen oder das Sortieren von Lebensmitteln den Rhythmus.

Für alle Beteiligten startet damit ein Experiment: Erstmals organisiert die Kaufmännische Schule Lörrach Ehrenamtstage. Zehn Partnerorganisationen aus der Region öffnen ihre Türen. Die Idee ist ebenso einfach wie ambitioniert: Ehrenamt soll nicht erklärt werden. Ehrenamt soll vielmehr erlebt werden.

Foto (Fotografin: Roxana Erath): Mit Freude beim Arbeitseinsatz für den Umweltschutz.

Zwei Tage lang arbeiten die Jugendlichen dort mit, wo Engagement häufig im Verborgenen stattfindet. Sie schleifen Sitzbänke und tauschen Tischplatten aus. Sie unterstützen Workshops für Frauen mit Migrationserfahrung, basteln Gipshände mit Kindern, bemalen und lackieren Holzpfähle zur Geländeverschönerung. Andere verlegen Steine, bepflanzen Beete oder sammeln Müll entlang öffentlicher Wege. Wieder andere pflegen Gräber, sortieren Lebensmittel bei der Tafel oder entfernen invasive Pflanzenarten in Weil am Rhein – all das bei sommerlich heißem Wetter.

Foto (Fotografin: Roxana Erath): Stolz von ihrer Tätigkeit im „Familienzentrum Kinderland Lörrach“ Berichtende: Ömer Karabulut, Ognjen Bankovic, Ammar Alhussein, Mahdi Mohsini (von links nach rechts).

Doch die körperliche Arbeit erzählt nur einen Teil der Geschichte. Mindestens genauso prägend sind oft die Begegnungen. In Pflegeeinrichtungen sitzen Jugendliche gemeinsam mit älteren Menschen beim Gedächtnistraining. Andernorts entstehen Gespräche über Heimat und Migration, über Lebenswege, Erinnerungen und Zukunftspläne – Gespräche, die in einem gewöhnlichen Unterricht kaum planbar wären. Gespräche, für die im gewöhnlichen Unterrichtsgeschehen selten Zeit ist. Für viele Lernende wird plötzlich greifbar, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht abstrakt ist. Er entsteht im direkten Kontakt.

Foto (Fotografin: Roxana Erath): Aus der abschließenden Ausstellung: die Zusammenfassung zum Cleanup.

Die Liste der Einsatzorte wirkt wie eine Landkarte bürgerschaftlichen Engagements im Dreiländereck. Es waren dabei: Clean up und invasive Arten pflücken in Weil am Rhein, Diakonie Friedlingen, Friedhof Lörrach, Gevita Lörrach, Haus der Altenpflege Lörrach, Kinderland Lörrach, Kita Ötlingen, Pferdehof Löhrhof, SAK Lörrach und die Tafel Lörrach-Brombach.

Foto (Fotografin: Roxana Erath): Auch auf den Friedhof führten die Ehrenamtstage. Elena Zaitseva, Sagnik Dutta und Nils Löffler bei der Vorstellung ihres Projektes (von links nach rechts).

Jede Gruppe erlebte einen anderen Ausschnitt dessen, was Ehrenamt täglich leistet – meist fernab öffentlicher Aufmerksamkeit. Was zunächst wie eine Aufgabe erschien, entwickelte sich vielerorts zu Verantwortung. Aus einem Beet wird ein gemeinsames Projekt. Aus einer Bank ein sichtbares Ergebnis. Aus einer Begegnung eine Erinnerung.

Foto (Fotografin: Roxana Erath): Aus Alt wurde neu. Die Arbeitsergebnisse halten den Prüfungen am Abschlusstag Stand.

Gerade diese Erfahrung stand im Mittelpunkt des Projekts: Lernen sollte nicht ausschließlich im Klassenzimmer stattfinden, sondern dort, wo gesellschaftliche Wirklichkeit erfahrbar wird. Erlebnisorientiertes Lernen bedeutet hier nicht Simulation, sondern Teilhabe.

Und darüber wurde gesprochen. Denn das Erlebte wurde gemeinsam mit den betreuenden Lehrkräften an der Schule reflektiert. Die Gruppen stellten ihre Projektarbeiten bzw. das an den Ehrenamtstagen Erlebte vor: “Was haben wir eigentlich gemacht? Was hat mich überrascht? Was konnte ich beitragen? Was nehme ich mit? Warum ist Ehrenamt wichtig?” Das waren die Fragen, die gestellt und auch beantwortet wurden. Es entstanden analoge und digitale Ausstellungsbeiträge, die nicht nur dokumentieren, welche Tätigkeiten ausgeführt wurden, sondern vor allem zeigen, wie sich der Blick auf freiwilliges Engagement verändert hat. Beim abschließenden Rundgang präsentieren jeweils Mitglieder jeder Gruppe ihre Ergebnisse. Darüber entstanden gute Gespräche.

Auch die Rückmeldungen der beteiligten Partner fallen positiv aus. Überall wurde nicht nur Hilfe geleistet, sondern Interesse gezeigt, Verantwortung übernommen und Zusammenarbeit erlebt.

Der größte Erfolg dieses ersten Ehrenamtsprojekts der Kaufmännischen Schule Lörrach liegt womöglich darin, dass alle Lernenden erlebt haben, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht von selbst entsteht. Zusammenhalt wächst nur dort, wo Menschen ihre Zeit verschenken. Und häufig bekommen sie durch Dank und Miteinander mehr zurück, als sie erwartet haben.